Der Eigentümer des Explorer Hotels plant, zwei Gebäude nördlich vom Gasthof Sonnenbichl zu bauen. Es sollen dort 15 Ferienwohnungen (s. Gemeinderatsprotokolle 627 und 637 - im Rathaus einsehbar -, sowie Zeitungsartikel vom 30.10.2019 Kreisbote Füssen) oder 10 Familienzimmer (Informationsheft zur Bürgerversammlung 2020 des Marktes Nesselwang) entstehen.



Luftbild vom Grundstück

hier kannst Du das Luftbild des Gründstücks anschauen: Geoportal Bayern

§§ Baugesetzbuch

Den neuen Gebäuden stehen im Absatz (3) § 35 BauGB die Sätze 1, 2, 5 und 7 entgegen:

"(1) Im Außenbereich ist ein Vorhaben nur zulässig, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen,..."

"(3) Eine Beeinträchtigung öffentlicher Belange liegt insbesondere vor, wenn das Vorhaben

  1. den Darstellungen des Flächennutzungsplans widerspricht
  2. den Darstellungen eines Landschaftsplans ... widerspricht
  3. ...
  4. ...
  5. Belange des Naturschutzes ... die natürliche Eigenart der Landschaft und ihren Erholungswert beeinträchtigt oder das Orts- und Landschaftsbild verunstaltet.
  6. ...
  7. die Entstehung, Verfestigung oder Erweiterung einer Splittersiedlung befürchten lässt ..."

siehe Gesetzestext

Entstehung, Verfestigung oder Erweiterung einer Splittersiedlung(§ 35 Abs, 3 Nr. 7 BauGB)

Der öffentliche Belang der zu befürchtenden Entstehung, Verfestigung oder Erweiterung einer Splittersiedlung dient der Unterbindung einer Zersiedelung des Außenbereichs. In Gestalt einer zusammenhanglosen unorganischen Streubebauung.

Splittersiedlung ist dabei jeder Siedlungsansatz, dem es an dem für einen im Zusammenhang bebauten Ortsteil erforderlichen Gewicht bzw. an der erforderlichen organischen Siedlungsstruktur fehlt. Hier verläuft eine Abgrenzungslinie zum bauplanungsrechtlichen Innenbereich in § 34 BauGB.

Hinweis: Der Begriff der „Siedlung" ist dabei nicht auf zum Wohnen bestimmte Gebäude beschränkt. Ausgehend vom Ziel des §.35 Abs 3 Nr 7 BauGB, eine Zersiedelung der Landschaft zu verhindern, werden auch Bauvorhaben erfasst, die nur zum gelegentlichen Aufenthalt von Menschen bestimmt sind. So kann eine Zersiedlungswirkung auch von gewerblichen Niederlassungen und Garagen ausgehen.

Die Entstehung einer Splittersiedlung meint dabei den ersten (unerwünschten) Ansatz einer Bebauung im Außenbereich. Verfestigung einer Splittersiedlung meint hingegen die Ausfüllung einer bereits im Außenbereich vorhandenen Bebauung, ohne dass die Streubebauung weiter in den bislang nicht genutzten Außenbereich erstreckt wird (Schließen vorhandener Lücken). Die Erweiterung einer Splittersiedlung geht demgegenüber davon aus, dass die bislang bereits durch Bebauung in Anspruch genommenen Flächen im Außenbereich weiter ausgedehnt werden. Es kommt hier nicht lediglich zur Verdichtung der Splittersiedlung nach innen, sondern vielmehr zur Ausdehnung der Streubebauung in den bislang nicht beanspruchten Außenbereich.

Flächennutzungsplan

Der Flächennutzungs- und Landschaftsplan ist eine Absichtserklärung der Gemeinde. Die Gemeinde plant damit die bauliche Entwicklung. Der Flächennutzungsplan ist für die Gemeinde und andere Behörden bindend. Durch den Landschaftsplan werden die Belange von Naturschutz und Landschaftspflege in den Flächennutzungsplan integriert. Im Bebauungsplan wird dann die bauliche Entwicklung genauer geregelt, was man wo bauen darf.

Auszüge aus dem Flächennutzungs- und Landschaftsplan:

Bodendenkmäler

Im Gemeindegebiet von Nesselwang befinden sich eine Anzahl von Bau- und Bodendenkmälern mit bedeutsamer Raumwirkung. Dazu zählen u.a. … die Kreuzwegstationen am alten Weg nach Maria Trost, ...sie stellen in die Flächen wirkende, häufig aufeinander bezogene kultur-landschaftliche und territorialgeschichtliche Zeugen von Altstraßen, Kirchenwegen, Totenwegen, Wildbahngebieten und Grenzen früherer Gerichtsbezirke dar.

Fachliche Planungsziele

Besonders schützenswerte Landschaftsteile sowie der Zugang zu diesen sind grundsätzlich von einer Bebauung freizuhalten. Dies gilt insbesondere für ...

besonders bedeutende, weithin einsehbare Landschaftsteile wie landschaftsprägende Höhenrücken, Kuppen und Hanglagen.

Übergeordnete Planungsziele

Der Markt Nesselwang gehört dem Alpengebiet an, das einen Teil des ländlichen Raumes darstellt.

Die Entwicklung des Alpengebiets soll so geordnet werden, dass

- ausgewogene Lebens- und Arbeitsbedingungen seiner Bewohner gewährleistet bleiben.

- die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes sowie die Vielfalt, Eigenarten und Schönheit von Natur und Landschaft erhalten und vorhandene Belastungen nach Möglichkeit abgebaut werden.

….

Bei der siedlungsstrukturellen Entwicklung, insbesondere in den Bereichen Fremdenverkehr, Wohnungs- und gewerbliches Siedlungswesen, soll den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege besonderes Gewicht beigemessen werden.

...

Gemeindliche Planungsziele

...

- Freihaltung der Hänge des Nesselwanger Talraums und des Alpenfußes

Bebauungsplan

hier findest Du den Bebauungsplan im Bayernatlas

Maria-Trost-Allee

Maria-Trost-Allee nur eine Baumreihe? Homepage der Gemeinde Nesselwang

Mitte des 19. Jahrhunderts pflanzten unsere Vorfahren Bäume entlang des Wallfahrtsweges, um diesen besonders zu würdigen. Wer heute den Markt Richtung Berg verlässt und den Weg über die Zinkenbichlkapelle wählt, der kommt an den über 150 Jahren alten Eschen, Ahorn- und Kastanienbäumen  vorbei. Eine Entschleunigungsqualität, wie sie in der modernen hektischen Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt.